Schutz der Privatsphäre bei Social Media

 

Soziale Netzwerke (oder Social Media) machen Spaß, kosten nichts und weil sich Zigtausende andere Nutzer neben uns darin befinden, sind wir quasi unsichtbar darin. Wir können uns diese Binsenweisheiten durchaus einreden, denn in der Tat bereitet es uns große Freude, uns mit anderen Menschen Meinungen auszutauschen, Gemeinsamkeiten zu teilen und von ihnen gesehen zu werden. Es gibt keine Mitgliedschaftsgebühr, keine versteckten Kosten, wie wir glauben, sie zu kennen. Und außerdem wird unser Like oder Kommentar nicht wirklich wahrgenommen, wenn es eines von 5.328 Likes und 731 Shares ist.

Dennoch sind wir weder befreit von der Gefahr, von den Kosten oder aber auch der Sichtbarkeit, die vom Beginn der Eingabe unserer Anmeldedaten über jeden Klick bis hin zu der Zeit, die wir im Netzwerk verbringen, mit sich bringt. Jede Information, die wir mit unseren Fingern auf der Tastatur hinterlassen und abschicken, jede Bewegung des Cursers, jedes neue Browsen nach einem beliebigen Wort, sorgen für ein immer umfassender werdendes Bild darüber, wer wir sind, wie wir uns verhalten, was uns interessiert, was wir mögen und was nicht. Dieser Vorgang nennt sich Data Mining und vermag es, auf unserem Bildschirm gezielt Werbung erscheinen zu lassen, die uns interessieren könnte. Zudem werden uns unvermittelt Gruppen empfohlen und Webseiten vorgeschlagen, die uns gefallen könnten. Data Mining geschieht nicht nur intern im Sozialen Netzwerk, sondern auch externe Betreiber haben unter Umständen Zugriff auf unsere Daten.

Wenn wir nun also einmal die Perspektive wechseln, dann haben Soziale Netzwerke heutzutage nicht mehr den Auftrag, Menschen zusammenzubringen oder eine gemeinschaftliche Welt durch positive Kommunikation entstehen zu lassen. Ihr Ziel ist unter Umständen ein ganz anderes, nämlich das Sammeln von Daten ihrer Nutzer, um daran zu verdienen, dass andere diese Daten missbrauchen, manipulieren und profitieren können.

Die versteckte Freizügigkeit in den Privatsphäre-Einstellungen übersehen oft wir im Zuge all der anderen Felder, bei denen wir Kreuzchen machen dürfen und schon mit dem Akzeptieren der Nutzungsbedingungen – der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs), der Datenschutzrichtlinien und Werbeleitfäden – ohne uns alle Klauseln angeschaut zu haben, sind wir selbst verantwortlich für alle weiteren Folgen. Einzelne Klauseln ablehnen, das geht sowieso nicht. Das bedeutet, wer Teil eines Sozialen Netzwerkes sein will, hat keine Wahl als entweder allem zuzustimmen oder gar nicht.

Mitmachen bedeutet infolgedessen, Informationen mitteilen, davon so viel wie nötig und so wenig wie möglich, aufmerksam Privatsphäre Entscheidungen treffen und Ortungsdienste oder ähnliche Einstellungen vermeiden. Dennoch, so vorsichtig wir auch sind, so viele falsche Angaben wir auch machen, ein Teil von uns ist immer sichtbar.

Der beste Schutz unserer Privatsphäre ist indessen also, nicht mitzumachen und uns bewusst gegen die Mitgliedschaft im Sozialen Netzwerk zu entscheiden.

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